müllsammler

Die wiederkäuende Stadt

Seit Jahrhunderten – als bei uns Recycling noch ein Fremdwort war – funktioniert in Kairo der Materialkreislauf. Dass fast 90 Prozent der Rohstoffe wiederverwertet werden, dafür sorgen 40 000 Menschen – die Zabbalin.

Saubere Häuser, saubere Straßen, saubere Städte – noch vor einigen Stunden zog eine akkurate Spielzeugwelt unter den Tragflächen durch. Und jetzt? Dieses Wirrsal an Unreinlichkeit mit Namen Kairo. Die ganze Stadt zerbröckelt unter einer staubigen Dreckschicht, wird von einer stickigen Abgaswolke erdrückt. Und hier soll es keine Müllprobleme geben?

Maqlab – Müllkippe und Stadt

Qualmende Lastwagen, verbeulte Autos und überquellende Omnibusse haben sich auf der Kreuzung unterhalb der Muhamed-Ali-Moschee verkeilt – stehen, stinken, hupen. Auf dem sandigen Seitenstreifen schieben sich große einachsige Holzkästen an dem Blechknäuel vorbei. Unrasierte Männer mit Turban und in fleckigen Gewändern treiben magere Esel an. Eierige Sprossenräder ächzen. Hinten in den Kästen schlafen Kinder. Ihre verschmierten Gesichter liegen im Müll.

Die Kästen verschwinden in einer Staubwolke, die irgendwann zur „maqlab“ wird. Es ist die größte der acht Müllkippen Kairos. Eine Kippe, auf der 15 000 Menschen leben: die Zabbalin, die Kaste mit den Kästen, die Abfallsammler Kairos. Am Rande von Stadt und Gesellschaft wuchert Ihre Müllstadt, Trümmerfeld und riesiges Dorf. Die Maqlab liegt am Fuße der Mukqattam-Berge in einem Talkessel, den Blicken von ausländischen Besuchern durch die Muhamed-AII-Moschee, Kairos Wahrzeichen, entzogen.

Ein beißend süßlicher Gestank steigt in die Nase und schnürt den Hals zu. Es riecht nach Verwestem, Aas, verbranntem Abfall. Die Mittagssonne brennt glutheiß auf die Hügellandschaft aus Schutt, Asche und Felsen. Darüberstehen Rauchschwaden. Nirgendwo Grün. Mauern aus gestampftem Lehm schlängeln sich den Weg entlang. Uringestank. Dann ein Abzweig. Es riecht nach faulem Kohl. Mauern aus geschichteten Steinen schließen sich an. Geruch von Schweinekot steigt auf. Wieder eine Gabelung. Die Nase assoziiert stockige Lumpen. Die Wege sind menschenleer. Kinder schreien, Schweine grunzen hinter hölzernen Toren.

Leben von und im Müll

Ein Tor ist offen. Im Hof steht einer der fahrbaren Kästen mit der Deichsel schräg nach oben. Eine stinkende Masse quillt aus dem Karren auf den Boden. Zwei Frauen sind bei der Arbeit. Das Kleid der einen ist so bunt gefleckt wie der Abfall, den sie mit einer Forke aus dem Holzkasten befördert. Die andere greift mit bloßen Händen in den zähen Brei. Mit sicherer Hand trennt sie ihn auf in faules Gemüse, zersplittertes Glas, zermatschte Essensreste, scharfkantige Blechbüchsen, zerfetzte Plastiktüten, fettiges Papier und klebrige Knochen. Die Einzelbestandteile sortiert sie in Eimer, Schüsseln und Körbe.

„Mumkin shai?“ – „Möchtest du einen Tee?“ – ruft ein Mann aus der Hütte. Der Mann heißt Saed Mahmoud, sieht aus wie ein Mittvierziger und ist 29 Jahre alt. Seine krausen Haare sind verfilzt, sein langes Gewand, die „Galablya“, löchrig und zerfetzt. Seit zwanzig Jahren karrt er Müll zu sich nach Hause. Er ist im Müll geboren. Er lebt vom Müll und im Müll. Morgens um vier spannt Saed die Esel an. Sein Karren ist einer von Tausenden, die sich jetzt von den Randbezirken in die Stadt aufmachen. Acht Kilometer, eine knappe Stunde – dann ist Saed in seinem Reich: Mülltonnen und Abfalleimer von dreißig Häusern. Der älteste Sohn bewacht den Eselskarren. Saed klettert die Feuerleiter an der Rückfront des ersten Hauses hinauf. Vor jeder Küche hält er den zerfaserten Bastkorb auf und ruft sein „Sabäla, Sabäla“ –“Abfall, Abfall“.

Der Müll eines Straßenzuges wechselt seinen Besitzer. Saeds Korb ist kein Transportmittel zur Entsorgung. Saeds Korb ist ein Zauberkorb. In ihm geschieht eine Verwandlung: Was eben noch stinkender Abfall war, wird darin zur Kostbarkeit. Wovor die einen sich ekeln, das Ist für Saed ein Segen, von dem er lebt: Ein Kilo Papier sind neun Piaster (17 Pfennig), hundert Blechdosen 125 Piaster (2,50 Mark), eine Tonne Glas 2400 Piaster (48 Mark).

Gegen Mittag, wenn die Hitze wie flüssiges Blei über der Stadt liegt, macht sich Saed mit seiner Beute auf den Rückweg. Der Anstieg zur Müllstadt ist steil. Saed prügelt die Esel durch die Schlucht aus verbranntem Abfall den Berg hinauf. Die hölzernen Sprossenräder wühlen sich in den weichen Aschenboden. Hinten schieben zwei Männer. Immer wieder klatscht Saeds Knüppel auf die Haut der Esel, die sich, eingehüllt vom Rauch schwelender Feuer, über heiße Blechdeckel ihrem Stall entgegenquälen.

Kurz vor den kahlen Felsen von .Mukqattam“, die der Maqlab den Namen geben, verbrennt Saed den wertlosen Tell seiner Beute. Das ist nur ein Zwanzigstel. Den ganzen Rest nimmt Saed mit zu sich nach Hause. Dort schüttet er den kostbaren Müll in seinen Hof. Die Arbeit der Frauen beginnt: Der stinkende Haufen wird zerlegt. Glas, Kunststoff, Lumpen, Papier, Metall, Essensreste – alles bekommt seinen Platz, seine Laufbahn, seinen Wert zurück.

Saed lebt in einer „Zriba“, einem Karree von fünf mal zehn Metern. Die Zriba ist Unterkunft für sechs Menschen, neun Schweine, drei Esel und eine Ziege. Sie ist auch Lagerstätte für einen Haufen fein sortierten Abfalls. Hinter dem Eingangstor steht rechts und links eine kleine Hütte. Dazwischen spannt sich ein schattenspendendes Dach. Unter diesem Dach liegt der Müll, hier wird er sortiert. Hier wird gegessen, geruht, gelebt, während die Gluthitze die Lehmhütten in Backöfen verwandelt. Die Hütte ist fast leer. Auf dem gestampften Lehmboden steht nur ein Bettgestell. Aus der Matratze kriechen weiße Würmer. An der kahlen Wand hängt an einem Haken die Kleidung, daneben der Druck eines Heiligenbildes. Kein Wasser, kein Strom, kein Klo. Es ist Nachmittag, Saed ruht sich aus. Er sitzt unterm Dach zwischen den beiden Hütten. Neben Ihm arbeiten seine Frau und die 13jährige Tochter: Sie wühlen im Unrat. Neben Mutter und Abfall liegt das 18 Monate alte Baby. Mit der Hand wischt es sich mechanisch die Fliegen aus dem mageren Gesicht.

Recycling seit Generationen

Saed schuftet zwölf Stunden am Tag. Am Ende des Monats bleiben ihm umgerechnet sechzig Mark. Die steigenden Lebenshaltungskosten treffen ihn doppelt. „Die Kairoer achten immer mehr auf das, was sie wegwerfen“, sagt Saed, „der Abfall wird immer wertloser.“ Aber er beklagt sich nicht. „Ich bin Zabbalin, meine Eltern waren es, meine Großeltern auch.“ Es klingt stolz. Mukqattam ist seine Heimat, das Müllsammeln sein Beruf.

Von klein auf hat Saed gelernt, dem Müll den Wert anzusehen. Blechdosen hämmert er für die Spielzeughersteller flach. Altpapier geht an Fabriken, die es zu Kartons und Packpapier verarbeiten. Glasbläser schmelzen Scherben ein und blasen daraus Vasen und Flaschen für den bekannten Touristenbazar „Khan-el Khallili“. Chemiefabriken verarbeiten Knochen zu Klebstoff oder Farbe. Wollfetzen werden Kissenfüllungen und Decken. Es gibt nichts, was Saed nicht verwertet. Mit den organischen Abfällen füttert er seine Schweine. Deren Abfälle kann er wiederum verwenden. Den Mist kaufen Bauern. Darauf gedeiht dann vielleicht Gemüse. Was vom Gemüse übrig bleibt, landet in der Mülltonne, dann in Saeds Korb, im Schweinemagen, wird wieder zu Mist, zu Gemüse, zu Abfall. Ganz Kairo ist ein riesiger Wiederkäuer. Und Saeds Korb ist der Magen: Was die 12-Millionen-Stadt auch ausspuckt, sie bekommt es immer wieder in den Rachen gestopft.

Die Zabbalin sind so gründlich, dass von den 4 000 Tonnen Müll, die sie täglich nach Mukqattam karren, fast 90 Prozent wieder als Rohstoff in die Stadt gelangen. 40 000 Menschen leben von diesem Materialkreislauf. Sie sorgen dafür, dass Kairo nicht von einem stinkenden Müllgebirge umgeben ist, wie unsere – ach so sauberen – Großstädte. Was in Kairo bleibt, ist nur ein kleiner Haufen Asche. Weil Rohstoffe in Ägypten schon immer knapp waren, sorgen die Zabbalin seit Jahrhunderten für dieses sorgfältige Recycling.

Die Müllmafia der Wahlya

Rifaat Wasef Makar ist Zwischenhändler. Er handelt mit Altpapier. Unter seiner einfachen Galabiya versteckt er einen beigemelierten Anzug und eine teure Schweizer Markenuhr. Rifaat ist überaus höflich, spricht perfekt Englisch und erzählt, dass ein bestimmtes amerikanisches 5-Sterne-Hotel in Paris besser sei als das in Kairo. Unter einem Baldachin aus Schilfmatten thront Rifaat auf dem einzigen Stuhl weit und breit und wacht über ein Oktavheft mit Zahlenreihen. Eine sechsköpfige Zabbalin-Familie klaubt für ihn Papierfetzen aus einem riesigen Berg und stopft sie in Pressen. Mit aller Kraft drücken sie den langen Hebel der Presse herunter, bis das Holzgehäuse ächzend und knarrend einen zentnerschweren Würfel ausspuckt.

Ein Papierkorb tippelt auf den Lagerplatz. In einer riesigen Kiepe schleppt ein Winzling eine neue Lieferung herbei. Der kleine Junge blickt gespannt auf die Zunge der Waage und auf das Gewicht, das Rifaat mit seinen Fingern verschiebt. Die Waage pendelt noch, da hat Rifaat schon eine Zahl in sein Oktavheft eingetragen. Der Kleine protestiert, er fühlt sich betrogen. Ungehalten wirft Rifaat dem Jungen den Korb vor die Füße. Das Kind nimmt wortlos den Korb, schüttet ihn auf dem Papierberg des Zwischenhändlers aus und trottet davon.

Rifaat Wasef Makar gehört zur Mittelschicht der Müllgesellschaft. Das Geschäft mit dem Abfall der zwölf Millionen Kairoer beherrscht ein Dutzend cleverer Privatleute. Die Stadtverwaltung im „Abdin Palast“ kümmert sich von jeher einen Dreck um den Schmutz Kairos. So haben Männer, die durchweg aus der Oase „Al-Dakhla“ in der libyschen Wüste stammen, den Müll als brachliegende Geldquelle entdeckt. Sie nennen sich „Rhabtit El-Wahiya“, Verband der Oasenleute, und haben Kairo unter sich aufgeteilt wie es einst die Mafia mit Chicago tat. Für eine einmalige Ablösesumme, die zwischen tausend und zehntausend Mark liegt, haben die Wahiya den Hausbesitzern das Recht zur Müllabfuhr für immer abgehandelt.

Die Wahiya kassieren gleich dreimal. Jeder Haushalt zahlt monatlich dafür, dass der Müll abgeholt wird. Jeder Zabbalin zahlt monatlich dafür, dass er den Müll abholen darf. Über ihre Zwischenhändler kaufen die Wahiya die fein sortierten Rohstoffe aus ihren eigenen Mülltonnen wieder auf und verkaufen sie gewinnbringend an Fabrikanten und Handwerker.

Die Schweinezucht der koptischen Christen

Einer der Zabbalin ist Fabrikant, seine Steinhütte Metallhütte. Aus dem Schornsteinrohr der Metallschmelze kriecht eine schwarze Fahne und versteckt sich in den Rauchschwaden von Mukqattam. Lnnen eine Gluthölle: Kleine schemenhafte Gestalten, triefend vor Schweiß, arbeiten sich durch Qualm und Hitze. Kinder heizen das Fegefeuer aus Altöl an und füttern den Schmelztiegel mit Metallresten. Was darin zusammengebraut wird, ist eine Legierung aus Müll. Der Schornstein raucht für die Produktion edlen Messingswerks. Aus den roten Sandformen schälen Männer golden Glänzendes – brüllende Löwenköpfe als Türklopfer, Raubkatzenpfoten als Tischbeine, Blumenrosetten als Klingelknöpfe. Draußen wirkt es kühl, bei dreißig Grad Wärme.

Die Abendsonne dringt kraftlos durch den Staubschleier und taucht die Müllstadt in ein weiches, rosiges Licht. Nach Tageshitze und Arbeit erwacht das Leben. Zwischen abgestellten Müllkarren spielen Kinder. Die Männer sitzen vor den Hütten und plauschen mit den Nachbarn. Es riecht nach Essen. Auf dem Boden sitzend, gibt eine Frau ihrem Baby die Brust. Ein paar Schritte weiter liegt ein Schweinskadaver am Wegrand. Es stinkt erbärmlich. Der auseinanderklaffende Bauch ist schwarz vor Fliegen. Ein lebender Artgenosse schnuppert an dem Schwein.

Mit Schweinemast halten sich die Zabbalin über Wasser. „Schweine können im Jahr bis zu zwanzig Ferkel kriegen“, sagt Murqus und lehnt zufrieden am Verschlag in dem sein Dutzend Schweine steht. Murqus ist achtzehn und hat bereits eine Familie zu versorgen. Seine siebzehnjährige Frau ist zum zweiten mal schwanger. Die Familie setzt sich zum essen auf den Boden. Es gibt das, was es immer gibt: „Foul“, gekochte Saubohnen, die mit Fladenbrot vom verbeulten Blechteller gelöffelt werden. Murqus rührt seine Schweine nicht an. Sie wandern in die Küchen der internationalen Hotels und Restaurants von Kairo, kommen als Haxen, Koteletts oder Rippchen auf die Teller der Touristen.

Den Moslems verbietet der Koran jeglichen Kontakt zu Schweinen. In Mukqattam gibt es nur deshalb Schweine, weil neun von zehn Zabballn Christen sind. Auch Murqus – Markus – trägt das Zeichen der koptischen Christen am rechten Handgelenk: ein Kreuz mit vier Punkten in den Winkeln. „Gins Fir’om“ – von pharaonischer Abstammung –, so nennen die Moslems die Kopten. Tatsächlich sind auch die Zabbalin Nachfahren der Pharaonen. Als der Islam das Land eroberte, wurden die einstigen Herren zu Außenseitern im eigenen Land. Die Kopten von Mukqattam leben in dem alten Steinbruch, aus dem man die riesigen Quader für die Pyramiden holte. Die Christen, die von Müll und Schweinen leben, gelten im moslemischen Ägypten bis heute als Unreine, Diebe und sogar Mörder. Dass sich dieser jahrhundertealte Hass nicht in Gewaltakten entlädt, hat nur einen Grund: Ohne die Zabbalin würde Kairo im Dreck ersticken.

Ratten, Ungeziefer und Bakterien

Auch Dr. Girgis ist Kopte. Der jungeArzt ist dabei, eine zweite Praxis in der Müllstadt einzurichten „Medizinische Versorgung gibt es In Mukqattam kaum, Krankheiten aber reichlich“, berichtet Dr. Girgis und zählt die häufigsten auf: Vitaminmangel, Blutarmut, Durchfall, Erbrechen, Wundentzündungen, eitrige Geschwüre, Lungenentzündung. „Bei den katastrophalen hygienischen Verhältnissen sterben von zehn Neugeborenen vier im ersten Lebensjahr“, stellt der Mediziner fest und zuckt mit den Achseln. „Die Schweine ziehen Ratten an, Ungeziefer, Krankheit verbreitende Insekten und Bakterien.“ Auch das Wasser ist häufig verschmutzt. In die Müllstadt führt keine Wasserleitung, die Zabbalin müssen es kaufen und von kilometerweit entfernten Zapfstellen heranholen.

Eine junge Frau zeigt dem Arzt das entstellte Gesicht Ihres Kindes. Dem dreijährigen Chafik hat eine Ratte während des Schlafes die Hälfte der Nase weggefressen. Während Doktor Girgis dem schreienden Kind Salbe aufträgt, sagt die Frau: „Die Ratten sind so groß, dass sie sogar Katzen fressen.“ Wenn die Dunkelheit hereinbricht, herrschen auf dem Müllplatz die Rattenhorden. Meist sind Kinder Opfer Ihrer Fressgier. Doch selbst Männer, die nachts auf Ihren Abfallhaufen schlafen, um das kärgliche Sammelgut vor Diebstahl zu schützen, werden von den Ratten angegriffen.

Existenzangst

Vor einer Baracke sitzt eine Männerrunde, dunkle Gestalten in langen Gewändern. Unter den Turbanen blitzen helle Augen. Sie scherzen und lachen laut. Eine Wasserpfeife wird herumgereicht, und auf dem wackeligen Holztisch stehen Gläser mit einem roten Getränk. Es brennt fürchterlich. Das soll es auch – wenn auch nicht im Hals, sondern in der Lampe: Es ist Brennspiritus, für fünf Piaster (10 Pfennig) das Glas. In der Kneipe von Mukqattam lässt mancheiner seinen gesamten Tagesverdienst.

Betretenes Schweigen. Über die Pläne der Kairoer Stadtverwaltung reden sie nicht gern. Die Zabbalin fürchten um ihre Existenz. Seit Jahren soll ein öffentlicher Müllbeseitigungsdienst mit einer riesigen Recyclinganlage und angegliederten Fabriken eingerichtet werden, in denen die Rohstoffe verarbeitet werden. Was dann – angesichts chronischer Arbeitslosigkeit in Ägypten – aus den 40000 Zabbalin wird? „Wir müssen abwarten“, sagen sie, „wir können nur zu Gott beten.“ Die Zabbalin haben weder die Mittel, sich motorisierte Fahrzeuge anzuschaffen, was die Behörden verlangen, noch die Macht, sich einem solchen Projekt zu widersetzen.

Doch die Wahlya haben Einfluss. Bislang ist es ihnen gelungen, die Pläne der Stadtverwaltung zu stoppen. Die “Könige der Abfälle“ werden weiterhin die Heerscharen der Zabbalin regieren. Und das Ungetüm Kairo wird wie gewohnt weiterkauen, wieder, immer wieder Müll und Menschen zerschleißen und gebären und den kleinen Rest Asche über sein Haupt streuen. Saubere Stadt.